Übersicht

ERÖFFNUNGSWOCHENENDE

11.–13. September 2026

Freitag, 11. September, 12–21 Uhr
Samstag, 12. September, 11–18 Uhr
Sonntag, 13. September, 11–18 Uhr

 

Für die diesjährige Ausgabe von Curated by freuen wir uns, die Zusammenarbeit der Galerie mit den Kuratorinnen Anna Roberta Goetz und Jade Guanaro Kuriki-Olivo bekannt zu geben. Ihre Ausstellung Clothes (Kleidung) präsentiert eine Einzelausstellung von Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivo).

 

Die Kuratorin Anna Roberta Goetz initiiert und leitet Kulturprojekte international. Ihr Interessenschwerpunkt gilt künstlerischen Strategien, die dominante Hierarchien, Narrative und Strukturen in der Gesellschaft infrage stellen. Zuletzt war sie als Ko-Kuratorin der 36. Bienal de São Paulo (2025) tätig, davor als Kuratorin am Marta Herford Museum (2022/23) und am MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main (2013–2017) sowie als Projektleiterin beim Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) für den Deutschen Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig (2013) verantwortlich. 

 

Jade Guanaro Kuriki-Olivio, bekannt als Puppies Puppies, nähert sich dem diesjährigen curated by-Thema LOVE über bell hooks’ Verständnis von Liebe als Praxis und nicht als Emotion. Dieses Verständnis von Liebe prägt seit vielen Jahren den gesamtkunstwerkartigen Ansatz der Installations- und Performancekünstlerin. Wiederholt integriert sie konkrete und partizipative Elemente in ihre Ausstellungen und nutzt die ihr als Künstlerin zur Verfügung stehende Plattform, um Formen der Fürsorge und praktischen Unterstützung für Menschen anzubieten, deren Wohlergehen durch öffentliche Infrastrukturen nicht ausreichend gewährleistet wird – darunter trans, nichtbinäre und gender-nonkonforme People of Color.

 

Clothes (Kleidung) nimmt Kleidung zum Ausgangspunkt. Sie ist zugleich intim und öffentlich: Sie berührt und schützt den Körper, verhüllt und stellt ihn zugleich aus, prägt seine Erscheinung und vermittelt, wie eine Person gesehen werden möchte. Kleidung trägt Spuren von Körpern und gelebtem Leben und wird so zum Speicher von Erinnerung, Identität, Verletzlichkeit, Begehren und Fürsorge.

 

Auszug aus dem Ausstellungstext von Anna Roberta Goetz

 

Den vollständigen Ausstellungstext, weitere Informationen zur Künstlerin sowie alle Details zur Ausstellung finden Sie in der Pressemitteilung am Ende dieser Seite.

Werke
Pressemitteilung

Im Rahmen des diesjährigen curated by-Festivals präsentiert die Galerie Kandlhofer die Soloausstellung Clothes (Kleidung) von Puppies Puppies (Jade Guanaro Kuriki-Olivo), kuratiert von Anna Roberta Goetz und Jade Guanaro Kuriki-Olivo. Die Ausstellung eröffnet am Freitag, den 11. September 2026, und ist vom 15. September bis zum 17. Oktober 2026 in der Galerie Kandlhofer zu sehen.

 

“Love is expressed through care, responsibility, respect, knowledge, and trust. It is something we do: a commitment to the wellbeing of ourselves and others.” [1]

 

Jade Guanaro Kuriki-Olivo, bekannt als Puppies Puppies, nähert sich dem diesjährigen curated by-Thema LOVE ausgehend von bell hooks’ Verständnis von Liebe als Praxis und nicht als Emotion. Dieses Verständnis von Liebe prägt seit vielen Jahren den gesamtkunstwerkartigen Ansatz der Installations- und Performancekünstlerin. Wiederholt integriert sie konkrete und partizipative Elemente in ihre Ausstellungen und nutzt die ihr als Künstlerin zur Verfügung stehende Plattform, um Formen der Fürsorge und praktischen Unterstützung für Menschen anzubieten, deren Wohlergehen durch öffentliche Infrastrukturen nicht ausreichend gewährleistet wird – darunter trans*, nicht-binäre und Two-Spirit+ Personen. So installierte sie in vergangenen Ausstellungen etwa eine öffentlich zugängliche Dusche oder einen Raum für HIV-Tests und Beratung als Teil ihrer künstlerischen Arbeit zur Verfügung. Ihre Praxis widmet sich der (Für-)Sorge füreinander und insbesondere für die eigene Community sowohl als Verantwortung als auch als Quelle kollektiver Widerständigkeit.

 

Im Werk von Puppies Puppies werden alltägliche und gefundene Objekte häufig mit persönlicher, gesellschaftlicher und politischer Bedeutung aufgeladen. In ihren Skulpturen, Installationen und Performances bringt sie Fragen nach Identität, Macht, Körperlichkeit und gelebter Erfahrung in den Ausstellungsraum und setzt sich damit auseinander, wie sich in persönlichen Erfahrungen kollektive Erfahrungen und Themen widerspiegeln.

 

In der Ausstellung Clothes (Kleidung) bildet Kleidung den materiellen wie konzeptuellen Ausgangspunkt. Diese ist zugleich intim und öffentlich: Sie berührt und schützt den Körper, verhüllt und stellt ihn zugleich aus, prägt seine Erscheinung und vermittelt, wie eine Person gesehen werden möchte. Kleidung trägt Spuren von Körpern und gelebtem Leben und wird so zum Speicher von Erinnerung, Identität, Verletzlichkeit, Begehren und Fürsorge.

 

Für Clothes (Kleidung) präsentiert Puppies Puppies drei neu in Auftrag gegebene Arbeiten. Clothing Drive (for Trans, Queer, GNC and 2S+ people) (2026) beispielsweise nimmt die Form einer sozialen Plastik an. Sie besteht aus fortlaufend gespendeter und von Mitgliedern der trans* Community kostenlos entnommener Kleidung. So löst sich die Skulptur fortwährend auf, formiert sich gleichsam immer wieder neu und wird aus dem Ausstellungsraum in die Gesellschaft hineingetragen.

 

Für Venus of the Rags (Transitioned) (2026) eignet sich Puppies Puppies eine Ikone der Kunstgeschichte an und unterzieht sie einer Transition: Michelangelo Pistolettos Venus of the Rags (1967). Hier nimmt Venus, ein ikonisches Motiv des westlichen Kunstkanons, die Gestalt des Körpers der Künstlerin selbst an, während Kleidungsstücke, die sie selbst nicht mehr trägt gemeinsam mit gefundenen Kleidungsstücken zu den Lumpen werden. Die Arbeit führt zwei Körper und verschiedene Momente in der Zeit zusammen und versteht so Transformation nicht als Zurückweisung der Vergangenheit, sondern als eine Möglichkeit, diese mit sich weiterzutragen.

 

Gemeinsam verstehen die Arbeiten Kleidung als mehr als bloße Objekte. Sie berührt und schützt den Körper, trägt Spuren vergangener Selbstbilder, kommuniziert Identität und bewegt sich zwischen Menschen. Sie bewahrt Erinnerung und ermöglicht zugleich Veränderung. Dieses Verständnis von Kleidung knüpft unmittelbar an bell hooks’ Vorstellung von Liebe als aktiver Praxis an. Fürsorge bedeutet zu handeln; die Bedürfnisse eines anderen Menschen anzuerkennen bedeutet, Verantwortung für dessen Wohlergehen zu übernehmen. In Clothes (Kleidung) wird Liebe damit materiell: Sie findet sich in dem, was erinnert, zurückgewonnen, geteilt, weitergegeben und anderen zur Verfügung gestellt wird. Clothing Drive (for Trans, Queer, GNC and 2S+ people) und Venus of the Rags (Transitioned) werden durch eine weitere neu geschaffene Arbeit, Pink Triangle (Holocaust patch transitioning into a reclaimed symbol by grassroots political action group ACT UP (AIDS Coalition to Unleash Power) (2026), ergänzt.

Während des Nationalsozialismus diente der rosa Winkel in Konzentrationslagern zur Kennzeichnung von Häftlingen, die aufgrund ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Homosexualität verfolgt und inhaftiert wurden. Personen, die traditionelle Geschlechtergrenzen überschritten oder Kleidung trugen, die einem anderen Geschlecht zugeschrieben wurde, wurden entweder nach § 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte, oder auf Grundlage weiter gefasster, unspezifischer Bestimmungen zu „öffentlichem Ärgernis“ oder „asozialem“ Verhalten verfolgt. In den 1980er-Jahren eignete sich die LGBTQ+-Bewegung den rosa Winkel als Symbol queeren Widerstands und der AIDS-Solidarität an. Puppies Puppies versetzt das Dreieck in ihrer Arbeit in ständige Bewegung und hält damit die Geschichten von Gewalt und Widerstand in fortwährender Spannung. Zugleich macht die Arbeit sichtbar, wie die Bedeutung von Symbolen immer wieder umkämpft, neu angeeignet und transformiert wird.

 

Text: Anna Roberta Goetz

 

[1]bell hooks, All About Love: New Visions (2000).

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Über die Künstlerin:

Jade Guanaro Kuriki-Olivo, weithin bekannt unter dem Alias Puppies Puppies, erweitert das Konzept des Readymades, indem sie allgegenwärtige und alltägliche Objekte, Zeichen und Handlungen mit einer persönlichen und politischen Bedeutung auflädt. So stellt sie exkludierende Systemstrukturen künstlerischer und kapitalistischer Produktion infrage, indem sie in Installationen und Performances Desinfektionsgelspender, Toilettenreiniger, die Farbe Grün sowie die Handlungen des Schlafens, Urinierens und Tabletteneinnehmens rekonfiguriert. Viele Ausstellungen von Puppies Puppies umfassen zudem aktiv nutzbare Bestandteile: eine GoFundMe-Kampagne zur Unterstützung des Transitionsfonds einer befreundeten Person, kostenlose HIV-Tests und Beratungsangebote sowie eine funktionierende Dusche, die der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Kuriki-Olivo macht damit deutlich, dass das Leben selbst als eine Form von Ausdauerpraxis verstanden werden kann, insbesondere für jene, deren bloßes Überleben auf dem Spiel steht - darunter trans*, nichtbinäre und geschlechtsnonkonforme People of Color.

 

— Vivian Crockett, Kuratorin am New Museum

 

Über die Kuratorin:

Die Kuratorin Anna Roberta Goetz initiiert und leitet Kulturprojekte international. Ihr Interessenschwerpunkt gilt künstlerischen Strategien, die dominante Hierarchien, Narrative und Strukturen in der Gesellschaft infrage stellen. Zuletzt war sie als Ko-Kuratorin der 36. Bienal de São Paulo (2025) tätig, davor als Kuratorin am Marta Herford Museum (2022/23) und am MMK Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main (2013–2017) sowie als Projektleiterin beim Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) für den Deutschen Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig (2013) verantwortlich. Von 2017 bis 2022 arbeitete sie als freischaffende Kuratorin zwischen Mexiko und Europa, kooperierte mit verschiedenen Organisationen und Museen, schrieb für internationale Publikationen (auch als Herausgeberin) und Kunstmagazine und lehrte an verschiedenen internationalen Kunstakademien.

Ausstellungsansichten