Übersicht

WASSERSPIELE
ERöffnung:
donnerstag, 21. MAi 2026
18:00 - 20:00 uhr

Ausgehend von der langen Tradition der Menschheit, Wasser zu formen, präsentiert WASSERSPIELE die eigene Interpretation des Künstlers zu diesem lebenswichtigen Element. Die Ausstellung reflektiert Wasser in all seinen Bedeutungen: als Quelle des Lebens, als essenzielle Ressource, als Symbol für Wohlstand, als Gefahrenquelle und vor allem als wertvolles, stark bedrohtes Ökosystem.
 
Diese neue Werkgruppe betont unsere tiefgreifende Abhängigkeit vom Wasser und entwirft ein Bild von Natur, das sich weder nachahmen, kontrollieren noch in unsere menschlichen Vorstellungen davon zwängen lässt, wie sie auszusehen hat.
In seiner Arbeit eröffnet Karl Karner einen vielschichtigen Diskurs über Objekte, Materialität und Raum. Partizipative Impulse ziehen sich durch sein Werk: Betrachter*innen werden selbst zu Akteur*innen innerhalb der Installationen, während der Natur eine wesentliche Rolle zukommt, sich in den von den Skulpturen geschaffenen Umgebungen frei zu entfalten.
Die unkonventionelle, amorphe Formensprache seiner Skulpturen basiert auf konkreten Vorbildern aus der Tier- und Pflanzenwelt, etwa Pilzen, Ästen, Baumrinde oder Magnolienzapfen, die der Künstler mithilfe von Abgüssen zu grotesken skulpturalen Wucherungen zusammenfügt.
Werke
Pressemitteilung

Karl Karners Ausstellung WASSERSPIELE steht für eine aktuelle und konsequente Weiterentwicklung seiner künstlerischen Praxis. Im Zentrum steht seine langjährige Auseinandersetzung mit Ökologie, Materialität und dem vielschichtigen Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Ausgehend von seiner kontinuierlichen Beschäftigung mit ökologischer Fragilität, insbesondere der zunehmenden Wasserknappheit und den Auswirkungen menschlicher Eingriffe auf Landschaften, richtet die Ausstellung den Blick auf die Dringlichkeit der Frage, was beim Thema Wasser tatsächlich auf dem Spiel steht und wie weit wir bereit sind, dafür zu gehen.

 

Karners Bezug zu diesen Themen ist dabei keineswegs rein konzeptuell, sondern unmittelbar mit seiner eigenen Lebensrealität verbunden. Bereits seit seinen Zwanzigern engagiert er sich aktiv in Renaturierungsprojekten, darunter das Tümpel-Projekt, bei dem sämtliche Erlöse seiner Arbeiten dem Ankauf geschützter Flächen für den Naturschutzbund Steiermark zugutekamen. Dieses unmittelbare Engagement bildet die Grundlage seiner künstlerischen Praxis und macht die Arbeiten zu mehr als bloßen Reflexionen über Natur und Verantwortung.

 

In WASSERSPIELE holt Karner das Außen in den Ausstellungsraum und entwirft eine ambivalente, präzise inszenierte Umwelt. Mithilfe von Teerpappe, wie sie üblicherweise zur Abdichtung von Dächern verwendet wird, schafft er einen versiegelten Boden, in dem sich Wasserflächen sammeln und spiegelnde Oberflächen, die an Tümpel oder Orte der Ruhe erinnern, schaffen. Innerhalb und rund um diese künstlich erzeugte Landschaft treten Skulpturen hervor, die ein Spannungsfeld zwischen Nachahmung und Eigenständigkeit eröffnen. Natur wird nicht reproduziert, sondern vielmehr in ihrer Unfassbarkeit und Unkontrollierbarkeit reflektiert.

 

Dieses Verhältnis von Imitation und Kontrolle bildet einen zentralen Ausgangspunkt der Ausstellung. Wesentliche inhaltliche Stränge wie etwa die Angst vor Wasser (Wasserangst) oder das Verlernen gewohnter Beziehungen zur Natur, ziehen sich durch den neuen Werkzyklus. Fließende Gesten werden eingefangen, vergrößert und anschließend in Aluminium oder Bronze gegossen. Flüchtige Bewegungen verwandeln sich so in erstarrte Monumente. Zwei gegensätzliche Oberflächen, die eine glatt, die andere sichtbar händisch bearbeitet, erzeugen dabei eine Spannung zwischen Kontrolle und Loslassen, zwischen Prozess und Endzustand.

 

Karners Skulpturen greifen organische Formen wie Pilze, Baumrinden, Äste oder Magnolienzapfen auf, verdichten sich jedoch zu hybriden, teils grotesken und beinahe magischen Wucherungen, die sich eindeutigen Zuschreibungen entziehen. Die Arbeiten bleiben beweglich in ihrer Bedeutung. Sie reagieren auf ihre Umgebung und verändern ihre Wirkung je nach räumlichem Kontext und Platzierung. Sowohl im Innen- als auch im Außenraum,  funktionieren sie weniger als abgeschlossene Objekte und vielmehr als aktive Teilnehmer eines fortlaufenden Dialogs zwischen Material, Raum und Betrachtenden.

Partizipation spielt dabei eine wesentliche Rolle. Karners Installationen eröffnen einen gemeinsamen Erfahrungsraum, in dem sich die Grenzen zwischen Beobachtenden und Beobachteten zunehmend auflösen. So entsteht eine Plattform in der Austausch, Veränderung und Unvorhersehbares gleichermaßen zugelassen sind.

 

Mit WASSERSPIELE öffnet Karner seine Praxis in neue Richtungen. Fließend zwischen Performance, Zeichnung und Skulptur arbeitend, verbindet er skulpturale Ansätze mit land-artartigen Interventionen und räumlichen Inszenierungen. Seine Arbeiten verorten sich dabei in einer breiteren Traditionslinie von Künstler*innen, die sich mit Landschaft und Material beschäftigen - von Land-Art-Positionen, die mit Wasser arbeiten, bis hin zu zeitgenössischen Bildhauer*innen wie Urs Fischer, Roxy Paine und Ursula von Rydingsvard – und halten zugleich an einer eigenständigen, in Geste, Prozess und Ort verwurzelten Bildsprache fest.

 

Die Ausstellung versteht sich als intensive Reflexion über Wasser, betrachtet sowohl als Substanz als auch als Symbol: als essenzielle Lebensgrundlage, potenzielle Gefahr, Ausdruck von Privileg und zunehmend bedrohte Ressource. Karner versucht nicht, diese Bedeutungen festzuschreiben. Stattdessen schafft er Situationen, in denen die Besucher*innen auf eine Weise mit dem Material und Kräften aufeinandertreffen, die sich seiner Kontrolle entzieht. Karner formuliert so ein Verständnis von Zusammenarbeit und Koexistenz und ladet ein, neu darüber nachzudenken, wie wir die Welt um uns herum bewohnen und mitgestalten.

 

– Text  von DJ Hellermann

 

Ausstellungsansichten