Art Basel Miami - Eine Nachlese

Parnass

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Das Prinzip Überdosis gehört zu Miami wie die Sonne, der Strand, der Ozean und eine legendäre, kaum überschaubare Partykultur. Einmal im Jahr wird die Stadt zum Mekka für alle Kunstliebhaber weltweit und das hat das Stadtbild mit seiner Kunstszene in den vergangenen Jahren wesentlich geprägt. Gab es vor der Art Basel Miami neben der Rubell Collection etwa sechs Galerien, hat sich Wynwood inzwischen mit über 70 Galerien, Museen und Sammlungen zum Kunstviertel entwickelt. Eine Überdosis bekommt man in Miami also nicht bloß in Form von Events und Partys, sondern auch durch die Masse an Kunst und Nebenmessen während der Art Basel Miami – in diesem Jahr sind es knapp 20 Satellitenmessen. Selbst wenn die Miami Art Week 2015 verregnet war und man den Strand kaum genießen konnte: Alles zu sehen ist unmöglich. Und so wird man permanent getrieben von der Angst, etwas zu verpassen, fährt mit dem Taxi von einem Event zum nächsten. Dabei wird das Taxi selbst zu einer Art Zwischenort, in dem man viele Stunden verbringt, denn der Verkehr bricht unter dem Besucheransturm zur Art Basel völlig in sich zusammen. Die Stadt ist im Ausnahmezustand – und 2015 teilweise unter Wasser.

Kein Wunder, dass die Stadt Miami um den Wert der Art Basel weiß und investiert. Ganze 500 Millionen Dollar möchte sie in das veraltete Convention Center investieren und für weitere 100 Millionen Dollar ein Hotel in direkter Nähe bauen: „…um den Verkehr weiter zu reduzieren und Fußdistanzen zu ermöglichen“. Ursula Krinzinger zeigt sich von diesem Vorhaben wenig begeistert und das nicht nur, weil sie die Architektur als Charme der langjährigen Messe versteht, sondern vor allem, weil sie die Messe durch die aufwendigen Bauarbeiten beeinträchtigt sieht. Dabei ist die Atmosphäre beim Betreten des Convention Centers durchaus bedrückend: düstere Teppiche, fehlendes Tageslicht und eine doch recht überschaubare Ausleuchtung vermitteln nichts von dem, was Miami vor den Türen des Gebäudes so sehr prägt. Die Architektur kontrastiert mit dem Programm und der Qualität: 267 Top-Galeristen aus 32 Ländern nahmen in diesem Jahr an der 14. Ausgabe der Art Basel Miami teil, erstmalig unter der Leitung von Noah Horowitz. Die bisher größte Teilnehmerzahl, die vor Ort Kunst für insgesamt knapp 3 Milliarden Dollar zum Verkauf angeboten hat. Bei Standkosten zwischen 50.000 bis 100.000 Dollar ein Wagnis für jede Galerie – der Druck zu verkaufen ist immens groß. Je höher der Preis für einen Stand, desto vorhersehbarer wird auch das Programm. Auf der Art Basel Miami gab es – wie jedes Jahr – wenig Überraschungen. Man weiß, was man bekommt: höchste Qualität und große Namen. Darunter in diesem Jahr viele Arbeiten von Frank Stella, Picasso und jede Menge Andy Warhols. Das Publikum ist kaufkräftig: Internationale Sammler und Stars wie Paris Hilton, Leonardo di Caprio, Lenny Kravitz und Sylvester Stallone sind sowohl tagsüber wie auch nachts auf den Kunstevents anzutreffen. Neben den großen Namen gibt es jedoch zumindest kleine Überraschungen: Natalia Zaluska, die erst 2013 an der Akademie der bildenden Künste in Wien ihren Abschluss erworben hat, ist mit einem ihrer Werke am Stand der Galerie Elba Benitez aus Madrid vertreten. In Wien wird Zaluska von der Galerie Christine König vertreten, wo sie noch bis 23. Dezember 2015 mit einer Einzelausstellung zu sehen ist. Auf der Art Basel Miami waren in diesem Jahr hingegen nur drei österreichische Galerien vertreten: Thaddaeus Ropac, Ursula Krinzinger und Rosemarie Schwarzwälder.

Besonders überzeugend war der Stand der Berliner Galerie neugerriemschneider, in deren Mitte ein riesiger Baum von Ai Weiwei das Zentrum bildete. Direkt daneben hing wie ein überdimensionaler Apfel die Arbeit „Aurum sphere“ von Olafur Eliasson, der derzeit noch mit seiner Einzelausstellung in der vom TBA21 und Belvedere organisierten Ausstellung „Baroque Baroque“ im Winterpalast von Prinz Eugen zu sehen ist. Auffällig war auch die Inszenierung von Jimmy Durham am Stand der Galerie Peter Freeman aus New York. Ein ganzes Auto steht mitten am Eck des Standes: das Dach und die Türen sind unter dem Gewicht eines riesigen Steines – dem ein comicartiges Gesicht aufgemalt wurde – zerquetscht und zerstört worden. Ein weiteres Highlight der Messe war der Stand der ebenfalls in Berlin ansässige Galerie Esther Schipper, die unter anderem Arbeiten von Liam Gillick und Dominique Gonzalez-Foerster zeigte. Die Hälfte des Standes war dabei unter einer eingezogenen Decke komplett mit pinken Luftballons in Form von Sprechblasen bedeckt: „Speech Bubbles“ von Philippe Parreno. Insgesamt überzeugen in diesem Jahr besonders die Stände der deutschen Galerien – und das nicht nur auf der Hauptmesse.

Wie auch auf der Art Basel Miami sind insgesamt wenige österreichische Galerien auf den anderen Messen zu dieser Zeit in Miami präsent. Wie in jedem Jahr präsentiert sich Galerie MAM Mario Mauroner Contemporary mit einem großen Stand direkt im Eingangsbereich der Scope, die in diesem Jahr am Strand in einem überdimensionalen, weißen Zelt stattgefunden hat. Der Stand der Galerie mit Arbeiten von Carlos Aires, Baltazar Torres, Ford Beckmann, Manfred Erjautz, Susy Gomez, Alfred Haberpoitner, Betram Hasenauer, Markus Hofer, Jochen Höller, Chema Madoz, Dennis Oppenheim und Vadim Zakharov hebt sich dabei in der Qualität massiv von den übrigen ab. Ebenso vertreten bei der Scope die OSME Gallery, die in Sommer des Jahres in Wien ihre neuen Galerieräume eröffnete, mit Arbeiten von Nicolas Pol, Helmut Grill & Freshwest Design. Insgesamt sind die Stände und Präsentationen der Scope eher schwach. Viele Street Art Elemente und viel Glitzer reflektieren jedoch die Kunst- und Streetartszene in Miami.

Positiv ist hingegen die Untitled hervorzuheben, die direkt neben der Scope in einem ebenso großen, weißen Zelt am Strand parallel zum Ocean Drive platziert wurde. Hier hat man den einzelnen Ständen wesentlich mehr Platz eingeräumt als auf der Scope und luftig große Gänge zwischen den einzelnen Galerien geschaffen. Die weißen Riesenzelte lassen dabei unglaublich viel Licht herein, es ist taghell und immer wieder wird der Blick auf das Meer freigelegt. Auf der Terrasse der beiden Messen am Strand kann man sogar den Wellen lauschen oder mit den Füßen durch den Sand spazieren – mehr Miami Flair geht kaum. Als einzige Wiener Galerie präsentiert sich hier Lisa Kandlhofer mit ihrer Galerie Lisabird Contemporary und einem Solo-Stand von Pier Stockholm. Der in Peru geborene und in Paris lebende Künstler hat für den Stand ein sehr reduziertes und trotzdem starkes Standkonzept erarbeitet, das von einem geometrischen Formenvokabular und Architekturwerkzeugen geprägt ist. Nur wenige Stände weiter zeigt die Galerie Häusler Contemporary einen Einzelstand von dem bei Wien lebenden Künstler Sébastien de Ganay. Während de Ganay in seiner letzten Ausstellung in der Galerie Steinek in Wien noch überdimensionale, pulverbeschichtete Aluminiumkartonstühle präsentierte, zeigt er nun in Miami aus Aluminium gefaltete Wandobjekte. Aus Berlin kam die Galerie Dittrich & Schlechtriem und zeigte neben Fotografien und geeisten Orchideen von Julian Charrière auch Arbeiten von Asger Carlsen und Julius von Bismarck. Steve Turner präsentierte neben neuen 3D Objekte von Michael Staniak ebenso neue Malerein, die in ihrer Farbintensität und Leuchtkraft bisheriges übertreffen. Ein Highlight sind auch die Fotografien von Rodrigo Valenzuela, die komplexe Installationen zeigen – präsentiert von der Galerie Upfor aus Portland. 

Die Galerie OstLicht zeigte in Miami – außerhalb der Messen – auf etwa 600mim Design District gemeinsam mit den Leica Galerien die Ausstellung „FLASH“ von Lenny Kravitz, die bereits in Wien im vergangenen Sommer zu sehen war. Laut Pressemitteilung kauften die Stars vom Star ein: Lionel Richie kaufte eine Fotografie und Barbara Becker gleich vier Arbeiten von Kravitz. Der Erlös der Arbeiten wird dabei der karitativen Plattform „10cameras“ gespendet. 

Art Basel Miami: 1. – 6. Dezember 2015
http://​www.artbasel.com/miami-beach

by Sabrina Möller

December 10, 2015