Artmagazin / Die erstarrten Überreste eines kreativen Prozesses - Wolfgang Pichler

Beim Eintritt in die Galerie fällt als Erstes der leicht verkohlte Geruch auf. Die dazu passenden schwarz-grauen Skulpturen aus Aluminium und Kupferguss wirken wie die Überreste eines schweren Brandes und sind schnell als die Quelle des ungewöhnlichen Geruchs ausgemacht. Dass es sich keineswegs um Überreste handelt, sondern vielmehr um kompliziert aufgebaute und danach gegossene Objekte, erschließt sich allerdings erst bei näherer Betrachtung.

Sehr positiv ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass die Arbeiten nicht nur anzuschauen, sondern auch zu befühlen und sogar zu bespielen sind. Eine Skulptur fungiert etwa auch als gigantische E-Gitarrensaite, wo jeder Schlag und jedes Zupfen an der Kupferstruktur elektronisch verstärkt wird.

Die Skulpturen sind trotz aller Verspieltheit im Aufbau alles andere als lustig, ja versprühen sogar einen eher unheimlichen, morbiden Charme. Sie wirken wie die versteinerten Zeugen eines sehr lebendigen und lustvollen Entstehungsprozesses, den nachzuvollziehen allerdings anhand der Objekte selbst kaum möglich scheint. Hier kommt die Virtuosität in der Beherrschung der Technik Metallguss der unmittelbaren Wirkung auf die betrachtende Person in die Quere. Wären diese abenteuerlich gebauten Strukturen doch um einiges lebendiger und zugänglicher, wenn sie zumindest ansatzweise noch die zugrunde liegenden organischen Materialien enthielten. Dass sie allerdings in ihrer schwarz-grauen einheitlichen Patina wesentlich besser als monumentale Skulpturen funktionieren und daher auch ein völlig anderes Publikum anzusprechen vermögen, sei unbenommen. Dennoch ist es immer wieder schade, wenn die eigentliche Qualität der gezeigten Arbeiten - wie in diesem Fall der performative Akt ihrer Entstehung - nur ansatzweise in den Objekten selbst wiederzufinden ist. Dass die Arbeiten vermutlich gerade wegen dieser Diskrepanz zwischen Erscheinungsbild und Entstehungsprozess einen ganz eigenen Charme entwickeln, spricht jenseits der angesprochenen Problematik für einen Besuch der Schau.

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November 5, 2014