Die Presse - 11. Juni, 2013 "Kunst für Wien und den Wörthersee..."

Die Presse. Dienstag, 11. Juni, 2013


 

Kunst. Lisa Kandlhofer hat beim Schwarzenbergplatz eine neue Galerie eröffnet. Und möchte im Sommer erneut mit Skulpturen den Wörthersee beleben. Von Teresa Schaur-Wünsch


Kunst für Wien und den Wörthersee:

"Ich will eine große Händlerin sein"

Die Lage scheint ganz gut gewählt: Noch am Tag, bevor Lisa Kandlhofer vorige Woche mit einer Preview ihre aktuelle Ausstellung und damit auch ihre neue Galerie eröffnete, waren alle Bilder verkauft. Ein Sammler, der gleich in der Gegend wohnt, war neugierig ins Kellerlokal gekommen und hatte die Werke der in Österreich lebenden Weißrussin Alina Kunitsyna aufgekauft. 


Dass man den Verkauf danach mit Alkohol begossen hatte, war der jungen Galeristin tags darauf nicht anzumerken. Auch nicht, dass anstrengende Monate hinter ihr lagen, nicht zuletzt, weil sie die Räume in einem Kraftakt renoviert hatte - zuvor hatte das Lokal zwischen Karls- und Schwarzenbergplatz Ernst Fuchs als Lager gedient. 

Mit 27 Jahren ist "Lisabird Contemporary" bereits Kandlhofers zweite Galerie, wie auch überhaupt ihr Lebenslauf ziemlich voll gepackt ist - so voll, dass sie nun mit Mann und Kind ihren Wohnsitz in Kärnten haben kann, "ohne das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen". Nach einem Jahr BWL-Studium in Graz und München ist die Grazerin für ein Auslandssemester nach New York gegangen - und geblieben; abgesehen von zehn Monaten, die sie für Magna in Toronto arbeitete. "Eine Riesenschule", wie sie sagt, ebenso wie Praktika bei einem Hedgefonds und in der pakistanischen UNO-Botschaft.


An Kunst, sagt sie, sei sie schon immer interessiert gewesen. Statt durch Bars zog sie durch die Museen und Galerien der Upper East Side und Chelseas. Die Leidenschaft so richtig geweckt habe ihr damaliger Freund, der Künstler Calyxte Campe. Campe stammt aus einer Künstlerfamilie; hat Camille Claudes als Großtante und zählt den Cartier-Gründer zu seinen Vorfahren. Kandlhofer organisierte für ihn zwei Ausstellungen in New York und Gstaad; eine Chance, die ihr, wie sie heute sagt, "ein riesiges Netzwerk" eröffnet habe.


Ein halbes Jahr später kehrte sie nach Graz zurück und gründete im Jänner 2010 mit 24 ihre eigene Firma. "Wahnsinnig und komplett verrückt", befand ihr Vater. "Ich habe mir alles wirklich allein aufgebaut", sagt Kandlhofer. "Ich muss mir trotzdem oft anderes anhören: Pretty Face oder: Der Papa wird schon zahlen." Im Herbst 2010 eröffnete sie in Wien ihre erste Galerie im zweiten Bezirk, in einem rohen Loft mit Einschusslöchern aus dem Zweiten Weltkrieg. Lower-East-Side-Flair wollte sie vermitteln, statt drei blieb sie zehn Monate offen, Künstler trafen Wirtschaftstreibende, "das war der Startschuss".


Inzwischen verfolgt sie hauptsächlich internationale Kooperationen, hat ein paar ständige Sammler und baut zwei Sammlungen auf. Und wird, wie im Vorjahr, im Sommer am Wörthersee einen Skulpturenpark einrichten: Im alten Casino des Hotels Villa Bulfon, wo sie 400 m2 Raum und vier Hektar Park mit Seezugang mit Skulpturen internationaler Künstler bespielt. Mutig, sich das am Wörthersee anzutun, hieß es, doch die Resonanz sei "sehr positiv" gewesen. "Die Hochzeiten des Sees sind vorbei, aber es gibt einige, die sein Image gern wieder ein bisschen aufpolieren würden", sagt Kandlhofer. Woher sie das nötige Selbstbewusstsein hat? "Ich weiß es nicht", sagt sie sanft. "Aber meine Mutter hat schon gesagt, ich bin ein bissl anders. Von ihr habe ich viel Mut mitbekommen. Und ich bin ehrgeizig." Das Ziel ist klar: "In fünf Jahren eine einflussreiche Kunsthändlerin zu sein."

June 11, 2013