Karl Karner | AFFUS

24 January - 2 March 2019

The exhibition "AFFUS" by Karl Karner shows an overview of several creative periods of the artist - from older installations to wildly proliferating sculptures made of bronze and aluminum.

 

Karner‘s work is situated at the intersection between the objectuality of sculpture and a more recent order of sculpture set in a social context. In the artist´s installations and art environments, viewers frequently become players. Such participative impulses accentuate the irony inherent in these artworks. 

 

The repetition of recurring motifs references the serial production of industrial objects. In Karner‘s work, these motifs are hand-made pieces of cast iron that become part of the artistic process. His preferred motifs are beaked creatures and dogs or hares, often clad with bronze or gold. The fact that they appear in series reminds of Pop Art or Concept Art (for instance Bruce Nauman‘s animal work cycles such as Untitled. Two Wolves, Two Deer from 1989 or Fox Wheel from 1990) but their static nature is broken by the involvement of real people. It would almost seem that these inanimate fantastic creatures are brought to life by the protagonists, which may be yet a reference to Beuys‘ work. In Karner‘s creations, a multitude of tubes injecting or extracting liquid constitute a metabolic system that can, however, only be activated by the viewers or users. To speak of users in the context of this work is possible because the artist generates live situations that reference the virtuality of computer games. With their interactive potential, the environments created by Karner generate various forms of display that are composed similar to arrangements of theatre props and are complemented by a series of performative gestures. 

 

Karl Karner‘s multisensorial, fictional fairytale worlds tell a story of incessantly repeated settings of everyday life, albeit with their function deconstructed, which clearly point out the absurdity of certain processes through the repetition of objectual elements. Their inherent performativity is applied not only to a mere new art context, it also spreads out to the domain of theatrical scenes and art performances where the public is involved beyond the limits of museum presentations according to the directing principle in stage-based performative models. Karner‘s pieces function in the context of a gallery or a museum as static objects, whilst their stage-bound performative character reaches out to the dimension of theatre space and audience. Commensurabilities proper of everyday always have an intrinsic bond with social interaction in public space. They are unmasked as banalities and transformed into playful gestures so as to bring the alienation of sense and purpose into play as an artistic chain of arguments that address the matter of objectuality.

- Walter Seidl 

 


 

Die Ausstellung „AFFUS“ von Karl Karner zeigt einen Überblick über mehrere Schaffensperioden des Künstlers - von älteren Installationen bis hin zu wild wuchernden Skulpturen aus Bronze sowie Aluminium.

 

Karners Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle zwischen skulpturaler Objektivität und einer Neuordnung einer sozial definierten Plastik. Bei seinen Installationen und Environments werden die beteiligten AkteurInnen oftmals zu StatistInnen, um die Ironie der künstlerischen Arbeit durch ihre eigene Beteiligung zu schärfen. 


Der Wiederholungseffekt der Motive verweist auf die Serialität industriell angefertigter Objekte, die im Falle von Karner jedoch stets als handgefertigte Kunstgussteile in den künstlerischen Prozess eingefügt werden. Als bevorzugt verwendete Motive dienen Karner Schnabelwesen, Hunde oder Hasen, die oftmals mit Gold oder Bronzefarbe versehen werden und in ihrer seriellen Anordnung sowohl an Elemente der Pop Art oder auch der Concept Art (etwa Bruce Naumans Tierzyklen wie Untitled. Two Wolves, Two Deer von 1989 oder Fox Wheel von 1990) erinnern, jedoch durch die Einbindung von Personen in ihrer Statik aufgehoben werden. Die leblos erscheinenden Fabeltierwesen werden durch die ProtagonistInnen scheinbar zum Leben erweckt, wodurch sich etwa Referenzen zu Beuys Arbeit herstellen lassen. Schläuche für Flüssigkeitsab- und -zufuhr erzeugen in Karners Figuren ein scheinbar metabolisches System, das jedoch nur durch die Partizipation der BetrachterInnen bzw. UserInnen in Gang gesetzt werden kann. Der Begriff UserInnen eignet sich in der Verortung von Karners Arbeiten insofern, als dass der Künstler Live-Situationen generiert, die die Virtualität von Computerspielen in einer analogen Situation rückdeutet. Environments und deren interaktives Potential generieren unterschiedliche Arten des Displays, das sich wie ein Arrangement aus Theaterrequisiten zusammensetzt und durch performative Gesten ergänzt wird.

 

Die multisensorischen, fiktionalen Fabelwelten von Karl Karner erzählen Geschichten von sich ständig wiederholenden Alltagszusammenhängen, die in ihrer Funktion dekonstruiert werden und durch die Verwendung von sich wiederholenden Objektteilen auf die Absurdität der verhandelten Vorgänge hinweisen. Die ihnen inhärente Performanz wird dabei nicht nur auf einen rein bildkünstlerischen Kontext angewandt, sondern weitet sich auch auf einen szenisch angelegten Theater und Performancebereich aus, der über eine museale Präsentation hinaus ein Publikum einfordert, das sich gewohnten Aufführungsmodellen in einem erweiterten Regieumfeld unterzieht. Karners Arbeiten funktionieren daher sowohl in einem musealen bzw. Galeriekontext als statische Objekte, während sich ihr inszenatorischer bzw. Aufführungscharakter auf Bühnenräume mit Publikum ausweitet. Alltägliche Verhältnismäßigkeiten, die immer mit gesellschaftlicher Interaktion im öffentlichen Raum zusammenhängen, werden in ihrer Banalität entlarvt und zu spielerischen Gesten umformiert, sodass deren Sinn- und Zweckentfremdung als künstlerische Argumentationskette objekthaft ins Spiel gebracht wird. 

 - Walter Seidl