Lindsay Lawson | Wokeness: Main Room

16 February - 17 March 2018

Preview: 15th February 2018, 7pm 

 

B. 1982 in the United States and living in Berlin, Lindsay Lawson received her BFA in Sculpture from Virginia Commonwealth University, her MFA in New Genres from UCLA, and attended the Städelschule in Frankfurt am Main. She recently presented a large-scale performance titled Choreography for Crane as part of the 9th Berlin Biennale.

 

Winter is always a state of hibernation. We all retreat into our own spaces. Just as Plato’s character returned to his cave, we return to ours, in an attempt to escape the chilly reality. In this state of hibernation there is no longer the desire to move, we become static.

 

This static reaction to winter is reflected in Lindsay Lawson’s show ‘Wokeness'. She - for the first time in a solo exhibition - is reshowing a previous work, ‘Der Denker.’ This neon sculpture exists in the permanently static state of contemplation. All these new figurative sculptures are pondering and all of them are featureless, reflecting a chosen blindness to reality that is told to us in the allegory of Plato’s cave. The title of the show refers to a more contemporary idea of enlightenment to one's surrounding, if obfuscated, reality. A generation discussing the idea of being ‘woke’ seeks an awareness of how the corporate structures that we rely on affect us individually and collectively.

 

The thinker is therefore woke, however he doesn't do anything. The thinker lacks the autonomy or motivation to act. The frozen moment of enlightenment is further represented to us through the flames flowing out of the trash bin, being denied a fluidity by being formed in ceramic, a process that requires immense heat to freeze an image of fire. This enlightenment is presented in a moment of questioning. The photographs of flaming matches with their shadows illuminate the obvious, yet remarkable, fact that fire has no shadow raising questions to the materiality of this energy. Is it that this enlightenment is fragile or that it's energy that it casts all doubt aside?

 

Lindsay Lawson is continuing to change our perspective on the nature of objects. By diminishing the utility of the chair she renders it unsittable while suggesting a human presence through anthropomorphism and incorporated personal effects like a draped leather jacket or a pair of gloves. ‘Wokeness' at Galerie Lisa Kandlhofer is an inverse reflection of her recent solo show at Gillmeier Rech in Berlin, in which Lindsay Lawson created movement and life within her anthropomorphic sculptu- res through the use of water and mist, further highlighting the juxtaposition between static and fluid, human and object. 

 


 

Geb. 1982 in den USA und in Berlin lebend, erhielt Lindsay Lawson ihren BFA in Bildhauerei an der Virginia Commonwealth University, ihren MFA in New Genres von der UCLA, und besuchte die Städelschule in Frankfurt am Main.
Kürzlich präsentierte sie eine Performance mit dem Titel "Choreography for Crane" im Rahmen der 9. Berlin Biennale.

 

Der Winter bringt Ruhe. Wir alle ziehen uns in unser Heim zurück. Platons Gestalt kehrte in seine Höhle zurück, nun wir auch in unsere. Wir versuchen der kalten Realität zu entfliehen. In diesem winterschlafähnlichen Zustand verschwindet das Bedürfnis sich zu bewegen: wir werden starr.

 

Genau diese Reaktion des Erstarrens auf den Winter wird in Lindsay Lawsons Ausstellung „Wokeness“ reflektiert. Die Künstlerin zeigt – zum ersten Mal in einer Einzelausstellung – abermals eine frühere Arbeit: „Der Denker“. Diese Neonskulptur befindet sich in einem permanenten, erstarrten Zustand der Kontemplation. Lawsons neue, figurative Skulpturen folgen dieser Pose des Nachdenkens. Alle sind sie gesichtslos, sie spiegeln die gewählte Blindheit gegenüber der Realität wider, von der uns in Platons Höhlengleichnis erzählt wird. Der Titel der Ausstellung bezieht sich dagegen auf ein aktuelleres Konzept des Verstehens der eigenen, wenn auch verschleierten, unmittelbaren Realität. Eine Generation, die sich mit dem Konzept der „Wokeness“ auseinandersetzt, möchte sich darüber bewusst werden, auf welche Weise sie durch die gemeinschaftlichen Strukturen individuell wie auch kollektiv beeinflusst wird.

 

Demnach ist der Denker ‚woke’ – und dennoch tut er nichts. Dem Denker fehlt die Autonomie oder die Motivation zu handeln. Der gefrorene Augenblick des Verstehens wird noch stärker durch die Flammen, die aus einem Mistkübel lodern verdeutlicht: Da sie aus Keramik modelliert sind und anschließend gebrannt wurden – ein Prozess, der immense Hitze erfordert um ein Bild des Feuers einfrieren zu lassen –, sind sie jeder fließenden Bewegung beraubt. Erleuchtung stellt sich im Moment des Fragens dar. Die Fotografien brennender Streichhölzer und ihrer Schatten heben die offensichtliche, wenngleich bemerkenswerte Tatsache hervor, dass Feuer keinen Schatten hat. Sie werfen Fragen zur Materialität von Energie auf. Lässt hier die Fragilität des Verstehens selbst oder die Tatsache, dass es sich auch beim Verstehen um Energie handelt, die Zweifel in den Schatten schieben?

 

Lindsay Lawson verändert kontinuierlich unsere Sichtweise auf das Wesen von Objekten. Indem sie einem Stuhl seinen Nutzen entzieht, macht sie ein Sitzen auf ihm unmöglich; gleichzeitig jedoch deutet sie menschliche Gegenwart durch anthropomorphes Formenvokabular und eingearbeitete, persönliche Gegenstände, wie eine drapierte Lederjacke oder ein paar Handschuhe, an. Zudem hat sie durch das Platzieren der Stühle eine vorgetäuschte menschliche Präsenz theatralisch inszeniert. Lawson gab dem Gemälde „Plato´s Inbox“ ein impliziertes Publikum. Die Installation weist Ähnlichkeiten zu Warteräumen in Krankenhäusern oder Sitzbereichen in Flughäfen auf. Die Spannung der Warteräume reflektiert die Spannung des Gemäldes,  die in das blaue Licht der Mobiltelefone getränkten leeren Gesichter sind in der ständigen Erwartung einer Benachrichtigung und der andauernden Sorge des Versäumens. Das Warten auf eine Reaktion der digitalen Welt. Diese Situation vermittelt ein vages Gefühl des Unbehagens, dessen Herkunft unergründlich ist.

 

Die Ausstellung „Wokeness" in der Galerie Lisa Kandlhofer ist eine inverse Reflektion der jüngsten Einzelausstellung Lindsay Lawsons bei Gillmeier Rech in Berlin, in der die Künstlerin durch den Einsatz von Wasser und Nebel Bewegung und Leben innerhalb ihrer anthropomorphen Skulpturen erzeugte und so das Nebeneinanderstehen von Starre und Fließen, von menschlichem Wesen und Objekt verdeutlichte.